CD-REVIEWS:
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LACRIMOSA:
"Der Morgen Danach" CDS (Hall of Sermon / EastWest)
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Review Teil 1 - die Promo:
Nach Lacrimosas Meisterwerk "Elodia" (1999) fragten
sich viele, wie Tilo Wolff sich noch steigern will. Nun, um es gleich zu sagen,
er hat es wieder geschafft. Nicht mit mehr Musikern oder mehr Aufwand. Aber der
Reihe nach.
Die schwarze Szene ist in Aufbruchsstimmung, und das
schon seit einiger Zeit. Illuminate warf einst einen "Letzten Blick
zurück" (1999) und "Ein Neuer Tag" begann (2000), Stolzes Herz bricht in
ein "Neues Leben" (2000) auf und Goethes Erben finden "Nichts bleibt wie es
war" (2001). Wer jetzt meint, Lacrimosa würde mit der neuen Single "Der
Morgen danach" ein Nachzügler dieser Entwicklung sein, der irrt gewaltig.
Im gesamten Werk von Lacrimosa war stets die Entwicklung deutlich,
sowohl inhaltlich als auch musikalisch. Stellten die Alben "Angst"
(1991) und "Einsamkeit" (1992) tiefgehende emotionale Ausbrüche,
schonungslose Darlegung von tiefem Schmerz und Trauer dar ("Seele in
Not", "Der letzte Hilfeschrei", "Bresso", "Reissende
Blicke"), so wirkte "Satura" (1993), musikalisch ein großer
Schritt nach vorne, bereits distanzierter vom Schmerz, nicht mehr in ihm
gefangen - "Lieber sterben als dies noch einmal zu erleben ",
rückblickend - "Ich sah die Löcher meines Herzens und trank die
Tränen meiner Schmerzen ", gesellschaftskritisch - "Ekel, der die
Welt ergreift / Hass der durch die Herzen fliesst / Verderben das durch die
Reihen zieht / Des Menschen edle Reihen". "Inferno" (1995),
musikalisch wieder eine Veränderung, neue (harte) Töne begleiten die
Erweiterung zum Duo durch Anne Nurmi, ist ungemein lebensbejahend -
"Zurück aus der Unsterblichkeit - Ich lebe", "Der Kelch des
Lebens" - das Erwachen nach dem Schmerz.
1997 bewies Lacrimosa mit
der musikalisch wie inhaltlich ungemein vielfältigen "Stille" erneut,
warum sie die "außergewöhnlichste Gothic Formation aller Zeiten"
(Pressetext zur neuen Single) sind; besonders der Song "Stolzes Herz"
hat mittlerweile Kultstatus erreicht, weil er das Lebensgefühl der
schwarzen Szene ungemein treffend und berührend übermittelt - wie
auch das gesamte Album "Elodia" (1999) letztendlich, eine Geschichte
erzählend, musikalisch ungemein gewaltig (aufgenommen mit dem London
Symphony Orchester), beschreibt einen Abschied - mit einem hoffenden, doch
(noch) nicht mit der Vergangenheit abgeschlossenen Blick nach vorne - "Meine
Hoffnung soll mich leiten durch die Tage ohne Dich und die Liebe soll mich
tragen wenn der Schmerz die Hoffnung bricht".
War "Elodia"
der Abschied, so wird mit der neuen Singles nun der Aufbruch und die
ständige Weiterentwicklung deutlich. "Der Morgen danach" stellt das
Bindeglied zwischen "Elodia" und dem im Oktober erscheinenden Album
"Fassade" dar. Während andere Bands die Aufbruchsstimmung in einen
ganzen Album verarbeiten, nutzt Lacrimosa eine Single, um in neue Zeiten zu
schreiten (sprich inhaltlich auf das Album vorzubereiten).
"Denn in
dem Schatten deines Lichts ganz weit da hinten sitze ich"
Aber nun
zu den Songs. "Der Morgen danach", der Titelsong, überrascht auf
sehr angenehme Weise. Inhaltlich sich um einen Liebesbrief rankend, ist die
Melodie ungemein eingängig, straight, überraschend anders.
Musikalisch ähnlich gewaltig wie das Vorgängeralbum mit dem
Unterschied, daß die klassischen Elemente diesmal dem Rock untergeordnet
scheinen und nicht umgekehrt wie zuvor. Der ganze Song ist (musikalisch wie
inhaltlich) durchzogen von einem unglaublichem Gefühl der Hoffnung, ein
kaum beherrschbares Gefühl des Aufbruchs, der Weiterentwicklung, des
Fortschreitens. Es ist nicht nur ein simpler Schritt weiter, es wirkt wie ein
Umbruch , die ganze Zeit spürt man daß es weiter geht, man wird
förmlich mitgerissen in eine neue Zeit - und man läßt sich
gerne mitreißen.
"Nicht die Botschaft zu beklagen sollen diese
Zeilen tragen, nur 'Ich liebe dich' doch sagen"
Am meisten
überrascht hat mich Tilos Stimme - so gut hat er noch nie gesungen,
unglaublich emotional und intensiv, überwältigend differenziert und
sehr nuancenreich - wie auch die Musik. Wenn das Album ebenso wird, können
wir auf eine Sensation gefaßt sein. Auffällig ist der gereimte Text
- sicherlich ungewohnt, wie auch die Musik. Und doch - oder gerade deswegen -
ungemein eingängig und faszinierend, bereits nach dem ersten Mal hat man
die Melodie im Kopf.
"Dies ist der Morgen danach - Ein neuer Tag
beginnt"
Wie man sieht, fällt es mir sehr schwer, die
Faszination des Songs in Worte zu fassen. Der Song ist in zwei Versionen
vertreten, und ich kann nicht sagen, welche besser ist. Beide sind musikalisch
anders, vermitteln eine andere Stimmung (die Metus Version ist etwas
härter), beide unglaublich faszinierend.
Fortsetzung folgt, sobald
die endgültige CD mit den der Promo fehlenden Songs verfügbar ist ...
JACK für
GOTHICWORLD
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