CD-REVIEWS:
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SAMSAS
TRAUM: "Utopia" CD (Trisol Music Group)
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An einer Person wie
Alexander Kaschte und seiner Eskapaden in Form von SAMSAS TRAUM, seines
Orchesters des Schreckens scheiden sich ja bekanntlich seit dem Debütalbum
"Die Liebe Gottes" die Geister (vor allem die Kritiker) wie an der
Schicksalsklinge der Erzengel. Nach dem sich aus dem noch etwas puppertär,
rohem Erstling mit "Oh Luna Mein" sich auch für den ärgsten
Moralapostel unter den Rezessionisten nicht von der Hand zu weisende
Ansätze musikalischer Genialität aufgezeigt hat, zog er sich mit
seinem Gehörsturz-Projekt WEEHNA MORLOCH wiederum extreme Schelte
der Fachpresse auf sich. Aber ein echter Künstler kennt keinen Schmerz und
somit schuf er nun mit "Utopia" das dritte SAMSAS TRAUM -
Machwerk, das eigentlich den letzten Kritiker verstummen lassen sollte, die
Fans jedenfalls dürften, wie ich begeistert sein.
Gewiß ist
"Utopia", das in aufwendigem Cover-Artwork mit Zeichnungen von Bernd
Streiter und Texten auf edlem Pergamentpapier im Booklett daherkommt, wiederum
insgesamt keine leichte Kost. Einerseits konstruieren SAMSAS TRAUM in
bisher nie dagewesener Perfektion bedrohlich bizarre bis agressive
Klanggebilde, Ausgeburten krankhaften Wahnwitzes unserer Zeit, unbehaglicher,
theatralisch brachialer denn je. Hier und da krachen immernoch ordentlich die
Metalgitarren, doch zieht Kapellmeister Kaschte immer mehr auch orchestrale
Elemente in seine musikalische Utopien ein. Hierzu zieht das
Schreckensorchester mit Mithilfe von Tonmeister Tobias Hahn (JANUS, L'ÂME
IMMORTELLE, SOPOR AETERNUS, ...) alle erdenkliche Register akustisch und
elektronischer Möglichkeiten. Auf der anderen Seite enthält
"Utopia" viele musikalische Elemente, die durch eine gewisse
unbeschwerte Leichtigkeit, durchaus modern, teilweise gängig und tanzbar,
textlich aber voll bitterböser bis ironischen Metaphern ("Stromausfall
im Herzspital") durchaus Laune verbreiten, ja irgendwo auf eine
merkwürdig beruhigende Art emotionaler Ausdruchskraft sogar Hoffnung
machen ("Der Triumph des Herzens"). Weiß zwar nicht auf was, aber
mich hat das Album erstmal umgehauen! Besonders hervorheben möchte ich
auch die wirklich gereifte Vielfältigkeit des Stimmbandeinsatzes des
"Ungeziefersoldates", hervorragend unterstützt durch Gastvocalisten Lydia
Budnick und Daniel Schröder, wodurch selbst so gewagte Sachen, wie die
Coverversion von Peter Schillings "Terra Titanic" (Bonus-Track) erneut
zur Hymne werden.
In einer Zeit, in der viele renomierte
deutschsprachige Dunkelromantiker (will keine Namen nennen) in Richtung
eintöniger Eingängigkeit gehen, einfach nur die Liebe zu
(Rammstein-mäßigen) Metalgitarren oder Technobeats entdeckt zu haben
bekunden, oder gar sich hinter orchesterschwangeren oberflächlichen
"Fassaden" verstecken zu müssen, rücken SAMSAS TRAUM kein Deut
von ihrem Weg ab. Frech wie Oskar, wie die kleinen Schuljungen von einst, speit
eine musikalisch allerdings wahrhaftig erwachsengewordene Band mit Worten und
Tönen wie mit der Steinschleuder auf die kleinkarierte Welt und die
Kritiker geißeln sich in ihren Zellen, um ihre eigene Propheten wiederum
gebührend zu zerreißen, hehe!
Sir Ritchie für
GOTHICWORLD
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