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Kölnische Rundschau - Nr. 152- Dienstag, 4. Juli
2000: Familienfest der
düsteren Gestalten 2000 Menschen kamen am
Wochenende zum Gothicworld-Treffen auf Burg Geretzhoven - Eventuelle Einnahmen
sollen an eine Stiftung gehen
Bergheim-Hüchelhoven - Die Bühne ist in blauschwarzen Dunst
gehüllt, im flackernden Kerzenschein steht ein schwarz gekleideter
Sänger mit bleichem Gesicht, dunkel geschminkten Lippen und schwarz
umrandeten Augen, der zu einer düsteren Melodie singt: Eine nicht
ungewöhnliche Szene beim Gothicworld-Treffen der "schwarzen Szene" auf der
Wasserburg Geretzhoven. Dorthin kamen am Wochenende etwa 2000 Gothics, auch
"Gruftis" genannt, aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Allein am
Freitag wurden 7000 Drei-Tages-Karten verkauft. Viele Besucher campten auf der
Wiese vor der Burg. Drei Tage lang gaben Gothic-Bands Konzerte. Viele haben
sich in der Szene bereits einen Namen gemacht, wie etwa "The Crack of Doom" und
"The House of Usher" aus Köln, die am Freitagabend auftraten. Am Samstag
spielten unter anderem "Whispers in the Shadow" und "Garden of Delight", die
aus der Umgebung kommen. Die belgische Band "The Breath of Life" stand am
Sonntag auf der Bühne. Neben den bekannten Gruppen hatten aber auch
Newcomer-Bands die Chance, vor einem größeren Publikum auf sich
aufmerksam zu machen. Liebe, Zorn, Wut und Hass bringen die Sänger in
ihren Texten zum Ausdruck, "Die Szene ist sehr gefühlsbetont",
erklärt Organisator Martin Braun. Die Musik sei sehr düster und
spiegele das Lebensgefühl der Gothics wieder, die sich sehr viel mit dem
Tod auseinandersetzen. Darin unterscheiden sie sich vor allem von der
übrigen Gesellschaft. "Wir betrachten den Tod als etwas Natürliches",
sagt Martin Braun. Ausdruck dieses Lebensgefühls sei neben der Musik die
schwarze Kleidung. Viele haben bleich geschminkte Gesichter mit dunklem
Lippenstift und schwarz ummalte Augen. Neben den Konzerten gab es im
Rittersaal Lesungen mit dem Österreicher Rafael Bienia und Ausstellungen
der Künstler Reiner Langer, Sarah Ludwig und Konstanze Strauss. Im
Gegensatz zu den großen und kommerziellen Treffen der "schwarzen Szene"
sollte auf der Burg Geretzhoven ganz bewusst eine familiäre
Atmosphäre herrschen. "Bei den großen Festivals geht es nur noch
darum: Wieviel Geld kann man damit machen", meinte Martin Braun. Die Macher des
Gothicworld-Treffens wollten keinen Profit rausschlagen, sondern eventuelle
Einnahmen einer Stiftung spenden.
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